Was ist ein Kontext?

Das Wort ‘Kontext’ steht für die Umgebung, die Umstände, den Hintergrund oder die Einstellungen, die die Bedeutung eines Ereignisses oder Gesprächs bestimmen oder verdeutlichen.

Wenn wir uns zum Beispiel den Satz „Es ist über die letzten Jahren viel gewachsen“ anschauen, dann kann eine Pflanze gemeint sein, die über die letzten Jahre deutlich gewachsen ist. Wenn aber ein bestimmter Kontext hinzugefügt wird, wie z.B. “Bytabo – das Unternehmen, für das wir arbeiten”, verstehen wir, dass wir über das Unternehmen gesprochen haben und dieses gewachsen ist. Dieser Kontext allein kann noch weiter vertieft werden, indem man „das Team“ hinzu fügt, eine andere Ebene könnte „die Fähigkeit“ sein. („Die Fähigkeit des Teams von Bytabo – das Unternehmen, für das wir arbeiten“).

Wenn wir mit jemandem sprechen würden, der von Satz zu Satz immer wieder alles vergessen würde, was wir vorher gesagt haben, wäre das eine sehr frustrierende Erfahrung.

Was bedeutet das für Chatbots?

Es gibt verschiedene Arten von Chatbots, vom Command Bot bis hin zu Artificial Conversational Entities (künstliche Gesprächseinheit). Ist im folgenden die Rede von Bots oder Chatbots sind Artificial Conversational Entities gemeint. Das Ziel einer Artificial Conversational Entity ist es, Alan Turings berühmtes Zitat

Ein Computer würde es verdienen, als intelligent bezeichnet zu werden, wenn er einen Menschen täuschen könnte, dass er ein Mensch ist.

ALAN TURING

zu beweisen. In anderen Worten, ein Chatbot soll handeln und verstehen, wie es ein Mensch tut. Um dies zu ermöglichen, muss der Computer den Kontext eines Gesprächs kennen und verstehen.

Das Ziel einer Artificial Conversational Entity ist es menschliche Konversation perfekt nachzuahmen.
Menschliche Konversation perfekt nachzuahmen ist das Ziel einer Artificial Conversational Entity.

Welche Arten von Kontext gibt es?

Wir möchten den Kontext in drei Gruppen einteilen.

  1. Die erste Gruppe ist die Context-free / Contextless (kontextfreie / kontextlose), die einzelne Wörter erkennt und auf die sie eine eigene Antwort hat. Dies führt immer zu einer eins-zu-eins-Beziehung zwischen Befehl und Antwort. Diese Funktion macht es am besten für Command Bots (Befehls-Bots) geeignet.
  2. Die nächste Gruppe ist die Simple Context Group (einfach Kontextgruppe). Diese greift das Thema des Gesprächs auf und liefert je nach Thema unterschiedliche Antworten auf einen Befehl. D.h. die Bot-Antworten sind kontextsensitiv mit einem isolierten Kontext. Dies ist für einfache Chatbots, wie z.B. Knowledge- (Wissens-)Bots geeignet.
  3. Die dritte Gruppe – die Deep Context Group – beinhaltet neben dem Konversationskontext der  zweiten Gruppe weiteren ‘Seiten-Kontext’. Dieser muss vor jeder Antwort analysiert werden, um die fundierteste Antwort zu liefern. Diese Art von Kontext ist am besten geeignet für Chatbots, die sich so menschlich wie möglich verhalten sollen.

Intents & Entities (=Absichten und Einheiten)

Was sind ‘Intents’ und ‘Entities’ und warum sind sie wichtig für den Kontext, bzw. für Zusammenhänge? Intents sind die Informationsbasis auf dessen Basis der Kontext geschaffen wird, während Entities weitere Informationen für den Kontext liefern.

Beispiel:

Was steht morgen auf dem Spezialmenü / Sonderkarte?

Die Absicht der Utterance (=Äußerung) könnte „Was ist auf dem Menü“ mit der Absicht „stelle mir das Menü zur Verfügung“ sein. Während „spezial“ als Entity, die Zusatzinformationen enthält, dass nach der speziellen Karte / den tägliche Specials des Menüs gefragt wurde. Die nächste Entity „morgen“ informiert uns, dass wir die “Specials” des morgigen Menü möchten.

Am Beispiel des (Spezial-)Menüs lässt sich der Zusammenhang zwischen Kontext und Chatbot gut erklären.
Das Spezialmenü

Der Confidence Factor

Entities und Intents sind wichtige Informationen für den Kontext und besonders für die darauf folgende Chatbot-Antwort. Aber es gibt noch einen weiteren versteckten Faktor, der für die Kontext Verarbeitung wichtig sein kann, den Confidence Factor (Konfidenzfaktor). Was ist der Confidence Factor? Betrachtet man das Beispiel, so ist die Intention der Utterance „Was steht auf dem Menü“, während unser Satz, den wir fragten, „Was steht auf dem speziellen Menü….“ lautet.

Wir haben kein direktes Matching auf den Satz, aber die Worte und die Kombination sind ähnlich. Um die Ähnlichkeit auszudrücken, gibt es einen Confidence Factor (zwischen 0 und 1, wobei 1 für hohe Konfidenz steht).

Was ändert das an der Handhabung des Kontextes? Wenn es mehrere Intents (Absichten) mit unterschiedlichen Confidence Factors gibt, können sie verwendet werden, um einen Nebenkontext zu schaffen und einen Gesprächsfluss zu erzeugen, der natürlicher wirkt.

Das Siri-Syndrom

Es ist wichtig, einen Bot nur für seine Use Case(s) zu planen, d.h. zu entscheiden, ob es sich um einen transaktionalen oder einen Knowledge (Wissens-) Chatbot handeln soll.

Der Unterschied zwischen einem Knowledge Bot (Assistenten wie Siri, Cortana, Alexa und Google Assistant fallen in diese Kategorie) und einem transaktionalen Chatbot besteht darin, dass letzterer optimiert ist, um eine begrenzte Anzahl (vier bis sechs) von spezialisierten Prozessen auszuführen. Diese können zum Beispiel komplexe Benutzeroberflächen in Sprache umsetzen und so die Bedienung erleichtern. Der Wissens-Chatbot hingegen unterstützt Tausende von Prozessen und ist in einigen Fällen in der Lage, Entscheidungen für Sie zu treffen (mehr dazu hier). 

Amazon Alexa ist ein Bespiel für Sprachassistenten.
Amazon Alexa – ein Beispiel für Sprachassistenten

Was ist das Siri-Syndrom?

Wir testen und beurteilen die Intelligenz eines Chatbots, indem wir eine Reihe von nicht zusammenhängenden Fragen stellen, und zwar zu beliebigen Zeiten. Aber braucht ein Bot wirklich so etwas? Wenn wir auf Alan Turings berühmtes Zitat zurückkommen: Wenn wir einen Computer als Mensch tarnen wollen, brauchen wir diese Fähigkeit, wenn wir aber Bots nur als Werkzeuge verwenden wollen, brauchen wir diese Dinge nicht. So ist ein Werkzeug nur für seine Aufgaben zuständig, oder würden Sie einen Schraubendreher zum Frühstück essen wollen? Um nicht in das Siri-Syndrom zu verfallen, ist es stets wichtig sich zu überlegen, was soll der Bot wirklich können und was braucht er tatsächlich?

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